Geothermie: BEW untersucht Erdwärme
Gersthofen/Königsbrunn:
Werden das „Titania“ in Neusäß, der Industriepark in Gersthofen oder das neue Fußballstadion im Augsburger Süden in zwei, drei Jahren mit Wärme von „Mutter Erde“ versorgt? Durchaus möglich, denn die Bayerischen Elektrizitätswerke (BEW) gehen nach den Worten ihres Geschäftsführers Dr.-Ing. Olaf Heil jetzt ein „heißes Thema“ an. Die LEW-Tochter hat sich im Raum Gersthofen/Neusäß und Königsbrunn zwei jeweils 100 Quadratkilometer große „Geothermie-Claims“ gesichert.
Das Gold, das sie dort zu heben hofft, heißt „Erdwärme“ – die Wärme, die tief unter der Erdoberfläche im heißen Wasser der sogenannten Malm-Schicht (Oberer Jura) steckt. Diese Kalkstein-Schicht verläuft unter ganz Südbayern von Norden nach Süden schläg nach unten. An der Donau ist sie nahe an der Oberfläche, auf Höhe Kaufbeuren etwa 2500 Meter tief. Je tiefer die Schicht, umso heißer das darin enthaltene Wasser. Hat es deutlich über 100 Grad, kann der Dampf sogar Stromturbinen antreiben. In der Region dagegen wird 50 bis 70 Grad warmes Wasser erwartet – das reicht gerade für die Wärmeversorgung.
Noch ist offen, ob sich diese Projekte rechnen. Denn anders als in Island, Italien oder Japan ist die Nutzung der Erdwärme in Deutschland noch weitgehend Neuland. Doch das Thema wird zunehmend interessanter: Mittlerweile sind alle 80 Claims in Südbayern vergeben.
Derzeit haben die BEW für jedes Gebiet eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Nach Abschluss – und gegebenenfalls notwendigen neuen Untersuchungen im sogenannten „Reproccessing“ – werde festgelegt, ob und wenn ja, wo gebohrt werde. Bohrungen in tiefen von 1400 Metern und darüber hinaus sind eine aufwendige Angelegenheit. „Als Faustregel gilt: Ein Meter Tiefe kostet 1000 Euro“, informiert Dr. Heil, dazu kommen erhebliche Kosten für Vorarbeiten und Einrichtung der Bohrstelle.
„Fehltritte dürfen wir uns nicht erlauben“, machte Dr. Heil deshalb vor den medien deutlich und wies auf zahlreiche Risiken hin:
„Neben der Temperatur muss auch die Fließrate des warmen Wassers stimmen, damit sich die Nutzung zur Wärmeversorgung lohnt.“ Ein aktuelles Projekt in Unterhaching zeige, „dass sehr viel Unerwartetes passieren kann“.