24. Juni 2015, Bayerische Elektrizitätswerke GmbH

So kann der Biber bleiben

Biberdamm am Branntweinbach bei Gersthofen

Am Branntweinbach bei Gersthofen haben sich Biber angesiedelt. Ihre Dämme brachten das Gleichgewicht des Schutzgebietes durcheinander. Deshalb wurde jetzt ein Bypass angelegt. 

In der Dämmerung ziehen die Baumeister los, fällen Bäume, bauen Dämme, errichten Burgen – und erschaffen so wertvolle Biotope. Über 14 000 Biber sollen laut Schätzung des Landesamtes für Umwelt heute in Bayern leben. Vor rund 40 Jahren siedelte man die Nagetiere hier wieder an, nachdem sie seit 1867 ausgerottet waren. In den nächsten Jahrzehnten werden Biber vermutlich fast alle geeigneten Gewässer besiedeln und für ihre Familien ein Revier beziehen, in dem kein anderer Biberclan etwas zu suchen hat. Auch in der Nähe des Lechwehrs Gersthofen hat sich vor einiger Zeit eine Biberfamilie niedergelassen. 1996 wurde hier ein Auwaldbewässerungssystem angelegt: Aus dem Lechkanal wird seitdem unter dem Lech hindurch Wasser auf die andere Seite in einen sogenannten Quelltopf geleitet, der den Chardonnay- und den Branntweinbach speist. Diese beiden Bäche schlängeln sich rund 3,3 Kilometer weit durch den Auwald, ehe sie im Grundwasser versickern. Seit es sie gibt, haben sich unzählige Tier- und Pflanzenarten angesiedelt, sodass das Gebiet in den europäischen Biotopverbund NATURA 2000 aufgenommen wurde.

Zu nass, zu trocken

Doch in den letzten Jahren haben die bauwütigen Biber den Wasserhaushalt des Schutzgebietes ins Wanken gebracht. Am Chardonnaybach haben sie große Dämme errichtet. Dadurch staute sich am Oberlauf das Wasser, Wanderwege und landwirtschaftliche Flächen wurden überflutet, ein Strommast stand mitten im Bach. Und am Unterlauf war kaum noch Wasser: Der Bach fiel auf zwei Kilometern trocken.  Zwei Jahre lang berieten sich die Bayerischen Elektrizitätswerke (BEW), die Städte Augsburg und Gersthofen, Naturschutz- und Landschaftspflegeverband, Wasserwirtschaft, Förster und Jäger, wie sie die ökologische Funktion der Bäche und gleichzeitig den Lebensraum der Biber erhalten können. Die Lösung: ein Bypass!

Bypass an der Biberburg 

Dieser Bypass – eine Art Wasser-Umgehungsstraße – wurde mit viel Engagement von den Wasserbauern der BEW entworfen. Er wurde nun um den Hauptdamm der Biberburg herum gelegt, sodass der Biberteich erhalten bleibt und das Wasser in den trockenen Unterlauf abgeführt wird. Sollte sich der Wasserstand ändern, weil die Biber einen neuen Damm errichten, schlagen Funkpegel Alarm. Dann rücken die Wasserbauer des BEW-Baubetriebs aus, kontrollieren die betroffenen Stellen und entfernen bei Bedarf die neuen Dämme. Die Funkpegel senden zudem Daten, um das Pilotprojekt analysieren zu können. Denn es könnte Vorbildcharakter für viele Umgehungsbäche in Bayerisch-Schwaben haben. Finanziert wird das Projekt auch mit Geldern aus dem Fördertopf des Ökostrom-Produktes LEW Strom Aqua Natur. Im Sommer 2016 soll unter der Federführung des Landschaftspflegeverbands der Stadt Augsburg und in Zusammenarbeit mit der Stadt Gersthofen und der Unteren Naturschutzbehörde ein Lehr- und Erlebnispfad umgesetzt werden. Dieser soll besonders Kinder für die Vielseitigkeit der Lechauen und des Biberreviers begeistern und sensibilisieren.