11. Januar 2016, Bayerische Elektrizitätswerke GmbH

Fischwanderhilfe am Wasserkraftwerk Altusried in Betrieb gegangen

  • Obere Iller jetzt auf 30 Kilometern durchgängig
  • LEW hat bislang rund 15 Mio. Euro an der Iller investiert
  • Naturnahe Umgehungsbäche schaffen neue Lebensräume für Flora und Fauna
  • Umfangreiches Fischmonitoring startet im Frühjahr 2016
  • Bürger können Vorschläge einbringen

Die letzte Lücke ist geschlossen. Im Dezember ging die neue Fischwanderhilfe am Illerkraftwerk Altusried in Betrieb. Die Fische können nun auf einer Strecke von 30 Kilometern in der Iller ohne Hindernisse wandern. Damit haben die Lechwerke (LEW) ein zentrales Maßnahmenpaket aus einer Vereinbarung mit dem Bayerischen Umweltministerium umgesetzt. In den letzten Jahren sind an allen fünf Staustufen der LEW-Kraftwerke von Altusried bis Lautrach naturnahe Umgehungsbäche entstanden. Das Unternehmen hat dabei insgesamt 15 Mio. Euro in Fischwanderhilfen und technischen Fischschutz investiert. Dazu gehören etwa neue engmaschige Rechen an den Turbineneinlässen der Kraftwerke. Eine Summe in vergleichbarer Größenordnung soll bis 2020 noch einmal an der Iller investiert werden.

„Die Obere Iller ist wieder für Fische durchgängig. Damit haben wir ein wichtiges Etappenziel erreicht“, sagt Frank Pöhler, Geschäftsführer des LEW-Tochterunternehmens Bayerische Elektrizitätswerke (BEW). Am Fluss sind fünf Umgehungsbäche mit einer Gesamtlänge von rund 3,2 Kilometern entstanden. Sie bilden nicht nur einen einfachen Bypass für die Staustufen, sondern haben sich in kurzer Zeit zu wertvollen Lebensräumen für Flora und Fauna entwickelt. Jungfische finden in den mit Totholz und anderen Materialen gestalteten Bächen eine ideale Kinderstube. Aber nicht nur der Nachwuchs nutzt den neuen Lebensraum: Bei einer Untersuchung im Umgehungsbach am Wasserkraftwerk Legau haben die Fachleute der Fischereifachberatung des Bezirks Schwaben im Sommer über zehntausend Fische gezählt.

Die Experten der BEW haben die Bäche in enger Zusammenarbeit mit der Fischereifachberatung gebaut. Dabei ist an jedem Umgehungsbach ein Zählbecken entstanden. Am Ende der Aufstiegshilfe schwimmen die Fische in ein spezielles Becken. Dort werden sie für kurze Zeit zurückgehalten und von Mitgliedern der örtlichen Fischereivereine und beteiligten Wissenschaftlern gezählt. Das Zählbecken in Altusried stellt dabei ein Novum dar. Anstatt das Wasser kurzzeitig abzusenken, ist dort ein Sieb angebracht, das angehoben werden kann. Somit können die Fische ganz einfach gezählt werden. „Erster Gast im Altusrieder Zählbecken war bereits kurz nach der Flutung des Umgehungsbachs eine kleine Äsche“, berichtet Tobias Epple von der Universität Augsburg, der das Fischmonitoring gemeinsam mit der Fischereifachberatung wissenschaftlich betreut.

Die Erforschung des Wanderverhaltens der Fische stellt einen wichtigen Aspekt des Maßnahmenpakets an der Iller dar. Im kommenden Frühjahr sollen mehrere Tausend Fische mit verschiedenfarbigen Punkten markiert werden. Damit kann erstmals im bayerischen Donaueinzugsgebiet das Wanderverhalten systematisch untersucht werden. Anhand der farbigen Markierung lässt sich der Weg der Fische entlang der Oberen Iller durch die neuen Umgehungsbäche genau nachvollziehen.

„Für die nächsten Jahre haben wir uns an der Iller noch einiges vorgenommen“, sagt Frank Pöhler. „Geplant sind vor allem Maßnahmen zum Geschiebemanagement und Uferaufweitungen.“ So soll die Iller an einigen Stellen mehr Platz bekommen und ihre Ufer wieder selbst gestalten können. Auf diese Weise soll verhindert werden, dass sich der Fluss in sein Bett eingräbt. Derzeit untersuchen die Experten, an welchen Stellen solche Aufweitungen möglich sind. Auch dazu soll es ein umfassendes wissenschaftliches Monitoring geben. „Wir wollen genau wissen, welche Maßnahmen wirksam sind. Dazu brauchen wir die enge Begleitung durch die Wissenschaft. Schließlich soll das, was wir an der Iller für die Flussökologie machen, auch Vorbildfunktion für andere Flüsse haben“, so Pöhler.

Auch die Bürger haben im kommenden Jahr die Möglichkeit, ihre Vorschläge für die Weiterentwicklung der Oberen Iller einzubringen. In Zusammenarbeit mit dem Wasserwirtschaftsamt Kempten erarbeitet die BEW in den kommenden Jahren ein sogenanntes Gewässerumsetzungskonzept. Beteiligt daran sind Kommunen, Verbände und Vereine sowie interessierte Bürger. In Veranstaltungen, die voraussichtlich noch im ersten Halbjahr 2016 stattfinden werden, können sich die Bürger über das Konzept informieren und eigene Ideen und Vorschläge in den weiteren Umsetzungsprozess einspeisen.

Die LEW-Gruppe ist als regionaler Energieversorger in Bay-ern und Teilen Baden-Württembergs tätig. LEW beschäftigt mehr als 1.700 Mitarbeiter, ist mit 36 Wasserkraftwerken einer der führenden Erzeuger von umweltfreundlicher Energie aus Wasserkraft in Bayern und bietet Dienstleistungen in den Bereichen Netz- und Anlagenbau, Energieerzeugung und Telekommunikation an. Die Lechwerke AG gehört zur RWE-Gruppe.

Die Bayerische Elektrizitätswerke GmbH (BEW) ist ein 100-prozentiges Tochterunternehmen der Augsburger Lechwerke AG. Die BEW unterhält und betreibt 36 Wasserkraftwerke an Donau, Günz, Iller, Lech und Wertach und gehört damit zu den führenden Wasserkraftwerksbetreibern in Bayern.


Mit dem naturnahen Umgehungsbach am Illerkraftwerk Altusried ist nun auf einer Strecke von 30 Kilometern die Durchgängigkeit für Fische an der Oberen Iller wieder hergestellt.


„Erster Gast im Altusrieder Zählbecken war bereits kurz nach der Flutung des Umgehungsbachs eine kleine Äsche“, berichtet Tobias Epple von der Universität Augsburg, der das Fischmonitoring gemeinsam mit der Fischereifachberatung wissenschaftlich betreut.

Bildnachweis: LEW/Hochgemuth

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