20. Juli 2016, Bayerische Elektrizitätswerke GmbH

Hochwasserschutz und Ökologie verbinden

Bayerische Elektrizitätswerke starten EU-weites Pilotprojekt zur ökologischen Sanierung von Dämmen an der Donau

Effiziente Dammsanierung in Kombination mit einer ökologischen Aufwertung der Uferbereiche – das ist das Ziel eines Pilotprojekts der Bayerischen Elektrizitätswerke GmbH (BEW). Im Mittelpunkt des EU-geförderten Projekts INADAR (Innovative approach for dam restoration) steht der Einbau von sogenannten Öko-Bermen. Bis Frühjahr 2017 entstehen an den Staustufen bei Oberelchingen, Günzburg und Offingen richtungsweisende Pilotstrecken zur Dammsanierung. Die Maßnahmen verbessern den Hochwasserschutz und schaffen gleichzeitig neue ökologisch wertvolle Uferbereiche. Die EU fördert das Projekt im Rahmen ihres Naturschutzprogramms Life+.

Viele Dämme an den Flüssen sind mittlerweile sanierungsbedürftig, zudem steigen die Anforderungen an den Hochwasserschutz. Bisher war die Sanierung von Dämmen mit erheblichen Eingriffen in die Natur und langwierigen Genehmigungsverfahren verbunden. Die Dämme wurden oft auf Kosten der angrenzenden Auenwälder verbreitert und erhöht. Die mit Beton verkleideten Uferbereiche in den Stauräumen blieben ökologisch wertlos.

Hier setzen nun die Bayerischen Elektrizitätswerke mit der ökologischen Dammsanierung an. Der Platz für den Hochwasserschutz entsteht dabei nicht an Land, sondern direkt am Ufer. An den Staustufen in Oberelchingen, Günzburg und Offingen werden auf einer Länge von jeweils einem halben Kilometer sogenannte Öko-Bermen im Uferbereich eingebaut. Dabei werden Wurzelschutzmatten in das Ufer gelegt und darauf Deckschichten aus Kies geschüttet. Dadurch lässt sich der Damm verbreitern und erhöhen. Hinzu kommt der ökologische Aspekt: Mit Hilfe von Totholz und Wasserbausteinen entstehen auf den Sedimenten naturnahe Strukturen und damit wertvolle neue Lebensräume für Tiere und Pflanzen.

Das neue und innovative Vorgehen bietet viele Vorteile. Zum einen wird auf diese Weise der Auwald geschont und landwirtschaftliche Flächen werden nicht beeinträchtigt. Zum anderen verbessert sich die ökologische Situation in den Uferzonen. Im Staubereich entstehen neue Habitate und gleichzeitig werden die Dämme an den Staustufen fit für die Zukunft gemacht.

„Die Wasserkraft spielt eine wichtige Rolle für eine grüne Energiezukunft in Bayern. Nachhaltigkeit und ein partnerschaftlicher Ansatz sind dabei entscheidende Erfolgskriterien. Darauf setzen wir bei LEW und BEW seit vielen Jahren und haben bei der Umsetzung einer nachhaltigen Wasserkraft eine Vorreiterrolle übernommen. Das Projekt INADAR bestätigt dies eindrucksvoll“, sagt LEW-Vorstandsmitglied Norbert Schürmann.

„Bei der Umsetzung solcher Projekte kommt der Zusammenarbeit mit allen Partnern eine besondere Bedeutung zu. Wie bei vielen anderen Projekten der BEW bringt die Fischereifachberatung des Bezirks Schwaben hier von Beginn an ihre Expertise ein“, sagt Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert. „Gemeinsam gehen wir neue Wege, um neue Lösungen zu finden. Die Öko-Bermen an der Donau sind ein sehr gutes Beispiel dafür, wie man gemeinsam innovative Ansätze effizient umsetzen kann.“

Das Prinzip der Öko-Berme hat sich bereits bewährt. Das zeigen erste Ergebnisse an den rund 20 Meter langen Musterstrecken, die von der BEW bei Leipheim, Günzburg und Offingen gebaut wurden. Dort sind natürliche Lebensräume für Pflanzen und zahlreiche Tierarten entstanden. Biologen haben zum Beispiel Libellen, Ringelnattern, Haubentaucher und sogar das seltene Donaubachneunauge gesichtet. „Auch für Jungfische bieten die Öko-Bermen ein ideales Habitat“, sagt Dr. Oliver Born, Leiter der Fischereifachberatung des Bezirks Schwaben. „Wir gehen davon aus, dass die Öko-Bermen eine Strahlwirkung besitzen. Sie sollen also nicht nur am Standort selbst wirken, sondern auch den angrenzenden Flusslauf ökologisch aufwerten.“

Wie konkret die positiven Auswirkungen auf die Umwelt sind, wird an den Pilotstrecken ebenso wissenschaftlich untersucht wie die Auswirkungen auf die Dammstabilität und die Wirtschaftlichkeit des Verfahrens. Diese Aufgaben übernimmt die Universität Innsbruck. „Das Monitoring soll den Vorbildcharakter der Maßnahmen unterstreichen. Ziel des Projektes ist schließlich auch, das Verfahren auf vergleichbare Flüsse in Europa zu übertragen und die Genehmigungsverfahren zu vereinfachen“, sagt Ralf Klocke, Leiter Wasserbau bei BEW und zuständig für das Projekt. Der Bau der Pilotstrecken startet im Herbst 2016 und dauert bis Frühjahr 2017. Das Monitoring der Universität Innsbruck läuft bis Anfang 2019.

Das Projekt wird von Life+, einem Förderprogramm der EU für Umwelt, Naturschutz und Klimapolitik, gefördert. Es ist das einzige Projekt im Bereich LIFE+-Umwelt, das 2015 in Bayern begonnen wurde. In ganz Deutschland wurden in dieser Runde insgesamt lediglich sechs Projekte bewilligt. Projektpartner von BEW sind neben der Universität Innsbruck auch die Obere Donau Kraftwerke GmbH und der VGB PowerTech e.V. (Fachverband der Strom- und Wärmeerzeuger).

Die Bayerische Elektrizitätswerke GmbH (BEW) ist ein 100-prozentiges Tochterunternehmen der Augsburger Lechwerke AG. Sie gehört zu den führenden Wasserkraftwerksbetreibern in Bayern und erzeugt jährlich rund eine Milliarde Kilowattstunden Strom aus regenerativer Wasserkraft. BEW betreibt dazu 36 Wasserkraftwerke an Donau, Günz, Iller, Lech und Wertach.

Hochwasserschutz und Ökologie verbindet

Bildunterschrift (v.l.n.r.): Ralf Klocke, Leiter Wasserbau bei BEW, Dr. Oliver Born, Leiter der Fischereifachberatung des Bezirks Schwaben, Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert und LEW-Vorstandsmitglied Norbert Schürmann besichtigen die Öko-Bermen bei der Staustufe Günzburg.

Bildnachweis: LEW/Christina Bleier

 

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