01. August 2016, Bayerische Elektrizitätswerke GmbH

Fischmonitoring an der Iller

Fischmonitoring an der Iller

Bayerische Elektrizitätswerke und Fischerei starten großangelegtes Forschungsprojekt – bayernweit einzigartige Untersuchung zum Wanderverhalten von Fischen

Wie wandern die Fische an der Oberen Iller und welche Auswirkungen haben die naturnahen Umgehungsgewässer auf die Fischbestände? Diese und viele weitere Fragen sollen in einem großangelegten Forschungsprojekt an der Iller beantwortet werden. Gemeinsam mit der Fischereifachberatung des Bezirks Schwaben und der Universität Augsburg startet die Bayerische Elektrizitätswerke GmbH (BEW) an der Iller zwischen Altusried und Lautrach ein umfangreiches Fischmonitoring-Programm.

In den Zählbecken am Ende der fünf Fischaufstiegsanlagen an der Oberen Iller werden dabei alle Fische mit verschiedenen Punkten markiert. Auf diese Weise lässt sich der Weg der Fische durch die neuen Umgehungsbäche genau nachvollziehen. Damit kann erstmals im bayerischen Donaueinzugsgebiet das Wanderverhalten systematisch untersucht werden. Das Monitoring-Programm stellt einen wichtigen Aspekt des Maßnahmenpakets an der Iller dar.

In den letzten Jahren sind an allen fünf Staustufen der BEW-Kraftwerke von Altusried bis Lautrach naturnahe Umgehungsbäche entstanden. Seit der Inbetriebnahme der letzten Fischaufstiegsanlage in Altusried vergangenen Dezember können die Fische nun auf einer Strecke von 30 Kilometern in der Iller ohne Hindernisse wandern.

„Die Fischwanderhilfen werden von den Fischen nicht nur zum Aufstieg genutzt. Sie dienen gleichzeitig als Laichhabitat für Altfische und als Kinderstuben für Jungfische“, sagt Dr. Oliver Born, Leiter der Fischereifachberatung des Bezirks Schwaben. „Große Steine oder Totholz schaffen dafür optimale Strukturen. Mit unserem Monitoring-Programm möchten wir nun wissenschaftlich untersuchen, welche Auswirkungen unsere Maßnahmen haben. Das Forschungsprojekt soll Ergebnisse liefern, die auch auf andere Flüsse übertragbar sind.“

Am oberen Ende jeder Fischwanderhilfe befindet sich ein Zählbecken. Nach dem Aufstieg schwimmen die Fische in dieses Zählbecken ein und werden durch eine Einschwimmreuse am unteren Ende, sowie durch einen feinen Rechen am oberen Ende kurz zurückgehalten. Speziell ausgebildete Fischer der Fischereivereine Memmingen und Neugablonz unterstützen das Projekt durch die tägliche Kontrolle des Fischaufstiegs. Dabei bestimmen sie zur wissenschaftlichen Auswertung die Art der Fische und vermessen ihre Länge.

Die größeren Fische bekommen außerdem eine für das Zählbecken spezifische Punktmarkierung. Dabei wird den Fischen mit einer nadelfreien Impfpistole, wie sie auch bei Menschen verwendet wird, ein blauer Farbstoff unter die Oberhaut „gespritzt“. Die Markierung erfolgt in jedem Zählbecken an einer anderen Stelle, sodass sich auf diese Weise die genauen Bewegungen der Fische durch die 30 Kilometer lange, wieder durchgängig gemachte Iller nachvollziehen lassen. Auch die Abwärtswanderung über die Wehranlagen lässt sich so überprüfen.

Die an der Oberen Iller gebauten Fischwanderhilfen stellen ein Novum dar. Anstatt das Wasser kurzzeitig abzusenken oder die Fische in Reusen zu fangen, ist ein Sieb angebracht, das per Knopfdruck elektrisch angehoben werden kann. „Auf diese Weise können unsere freiwilligen Helfer die Fische einfach und sehr fischschonend zählen. Nach der Registrierung entlassen sie die Fische ins Oberwasser, damit sie dort ihre Wanderung fortsetzen können“, sagt Ralf Klocke, Leiter Wasserbau bei BEW. „Das vorbildliche Engagement der Fischereivereine macht dieses wegweisende Projekt erst möglich.“

Ziel des Forschungsprojekts ist es, das Wanderverhalten der Fische zu untersuchen. Die Projektpartner wollen dabei unter anderem herausfinden, wie die Fische innerhalb der Strecke wandern, welche Distanzen sie zurücklegen und welche Arten wann, in welcher Anzahl durch welche Fischwanderhilfe wandern. Das Monitoring-Programm startet Anfang August und geht über drei Jahre.

Fischmonitoring-Programm an der Iller

Bildunterschrift (v.l.n.r.): Tobias Epple von der Universität Augsburg, Dr. Oliver Born, Leiter der Fischereifachberatung des Bezirks Schwaben und Ralf Klocke, Leiter Wasserbau bei BEW, wollen mit dem Fischmonitoring-Programm den Weg der Fische durch die neuen Umgehungsbäche nachvollziehen.

Bildnachweis: LEW / Luisa Rauenbusch

 

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